Lilith
Adams erste Frau


Lilith war die erste Frau Adams und wurde wie er von Gott aus Erde geschaffen. Beide schuf Er nach Seinem Bilde. Sie waren gleichberechtigt, aber nicht gleich. Die Beiden erlebten eine Zeit der großen Liebe. Lilith war und ist kreativ, schön in ihrer Natürlichkeit, stark, aufregend, sinnlich, magisch anziehend. Sie lässt sich jeden Tag, ihrer Spontaneität und Intuition nach etwas Neues einfallen. Sie äußert alles, was ihr in den Sinn kommt und hat einen vollkommen natürlichen Bezug zu ihrem Selbstverständnis als Frau. Dies Alles erfreute und erfüllte Adam zutiefst, nie hätte er sich solch eine Frau als Begleitung erträumt. Er war verzaubert von diesem unirdischen Wesen.

Lilith hat Flügel. Diese begann Adam nach der Verliebtheitsphase zu beneiden. Lilith war so frei, so ungebunden, aber auch so unberechenbar. Er glaubte nicht, dass solch ein Wesen sich wirklich dauerhaft für ihn entscheiden konnte. So bekam er Angst, sie zu verlieren. Seine Angst trieb ihn dazu, Lilith bezwingen zu wollen. Lilith liebte Adam von Herzen – aber sie liebte auch sich selbst. Was sollte sie tun? Sie konnte ihre Individualität nicht ihrer Liebe opfern, sondern hatte ein deutliches Gespür dafür, wie sich eine gesunde Beziehung anfühlen muss. Dies versuchte sie Adam zu erklären, sie redete mit ihm die Nächte durch.

Vielleicht machte sie einen Fehler: sie ging zu wenig auf Adams Angst ein, und versuchte, ihn mit Argumenten und ihrem strahlenden Geist zu überzeugen. Er musste doch verstehen, dass sie ihn liebte und ihm dasselbe schenken würde, was sie für sich beanspruchte: Freiheit und ungebrochene Individualität. Dies verstärkte Adams Angst, denn auch hier war sie ihm offensichtlich überlegen. Nein, so eine Frau konnte doch nichts an ihm finden und früher oder später würde sie ihn verlassen, so dachte er.





Vor Angst begann er, sie zu unterdrücken - das Schlimmste, was er ihr antun konnte. Er nahm ihr ihre Würde! Nun bekam auch Lilith Angst. Angst um ihre Liebe zum Leben und zu sich selbst. Sie wusste: das konnte sie nicht ertragen. Er hörte nicht auf sie und schwieg – stur wie er war. Immer öfter entfernte sie sich in ihren Träumen und Sehnsüchten weg von diesem Ort der Unterdrückung, hinaus aus ihrem Körper.

Eines Tages - ich glaube, er meckerte wieder einmal am Essen herum - ließ sie den Stapel Porzellan, den sie gerade aus der Spülmaschine holte, auf den Terracottaboden fallen, breitete ihre Schwingen aus und mit einem Wut- und Schmerzensschrei, der die Erde erschütterte, flog sie aus der Küche und aus dem Paradies.

Direkt an das Ufer des großen Ozeans. Dort stand sie, den Bauch von Wasser umspült, zutiefst verletzt und weinend. Adam beklagte sich bei Gott und flehte, Er solle Lilith zurückbringen. Nach längerem Überlegen schickte Gott seine Erzengel zu ihr, die mit ihr reden sollten. Sie umschwärmten sie eine Weile, doch sie ließ nicht mit sich reden. Sie hörten nicht auf und so erhob Lilith wieder diesen Schrei, der die Engel fast hätte abstürzen lassen. Donner und Blitz und ein Unwetter erhoben sich und die Engel kehrten unverrichteter Dinge zurück.

Adam wurde krank vor Sehnsucht und vor Einsamkeit. Es wurde immer schlimmer. Er lag nur noch vor dem Fernseher und sah den ganzen Tag fern - mit einer Tüte Chips und Bier. Morgens stand er nicht auf, im Paradies sah es schrecklich aus.



Gott stellte ihn zur Rede. So konnte es nicht weiter gehen. Lilith kam nicht zurück - was tun? Apathisch hörte sich Adam die Moralpredigten an und reagierte nicht. Er sehnte sich nach Lilith. Gott sagte: "Du verträgst doch keine gleichberechtigte Frau, also jammer’ jetzt nicht rum! Und außerdem kommt sie nicht zurück!" - "Ja aber, ich kann nicht ohne sie...."

So entschied Gott, eine neue Frau zu schaffen. Eine Frau, die Adam zu Diensten sein würde, immer noch schön, aber ohne Flügel. Reizend, lächelnd, brav - die Frau an und aus Adams Seite: Er nannte sie Eva.

Adams Gesundheitszustand besserte sich umgehend. Eva machte alles perfekt: den Haushalt, den Garten Eden, einfach alles. Abends, wenn er von der Arbeit heimkehrte, servierte sie ihm ein erstklassiges Menu. Seit Neuestem macht sie Karriere in einer Bank. Es macht ihr nichts aus, dass sie 40% weniger verdient, als ihr Kollege, der denselben Job macht wie sie. Schließlich verwirklicht sie sich selbst. Adam ist es zufrieden. Er schenkte ihr zum Trost am 5. Hochzeitstag einen nagelneuen Mini.

Nur manchmal, wenn Adam nachts den glitzernden Sternenhimmel betrachtet, sehnt er sich nach den wilden, nie wiederkehrenden Zeiten und einer Frau namens Lilith zurück.

Aber was geschah mit Lilith? Und wo ist sie?

Sie dreht das Schicksalsrad der Frauen, die ihr gleichen. Frauen mit Flügeln. Sie zeigt ihnen ihren eigenen Weg, den sie gehen musste, als sie damals aus dem Paradies zu den Menschen kam. Sie begleitet die Frauen, die ihre Flügel entfalten wollen, genauso wie sie. Frauen, denen es nicht gelingt, sich selbst untreu zu werden, die unabhängig bleiben, weil sie nicht anders können. Wie sie selbst verraten diese Frauen ihre Liebe nicht, aber auch nicht sich selbst. Lilith begleitet die Frauen in und durch diese manchmal schweren Zeiten ihres Lebens. Wenn die Frauen ihre Leichtigkeit zu verlieren drohen, Ihren Mut, ihre Schönheit, weil sie gehen mussten oder verlassen wurden und weil ihr Weg mühsamer, manchmal auch einsamer ist als Eva’s Weg. Weil Freiheit und Unabhängigkeit auch Unsicherheit und Verantwortung bedeuten. Dann erscheint Lilith und hilft diesen Frauen, ihre Kraft, ihre Würde zurückzufinden und einen neuen, eigenen Weg zu gehen.

Seit Jahren begleitet mich die Rede eines indianischen Stammesältesten. Sie hilft meinen Klienten und mir selbst, besonders in Momenten, in denen wir Gefahr laufen, unseren Glauben zu verlieren.

Wenn ich so hinspüre….ganz in mein Innerstes…. ahne ich, dass Lilith an dieser Rede mitgeschrieben hat. Hier für Sie:



Die Einladung

Es interessiert mich nicht, wie Du Deinen Unterhalt verdienst.

Ich will wissen, wonach Du Dich so sehr sehnst, daß es Dir wehtut, und ob Du davon zu träumen wagst, dem zu begegnen, wonach sich Dein Herz verzehrt.

Es interessiert mich nicht, wie alt Du bist.

Ich will wissen, ob Du es riskierst, für Deine Liebe als Narr dazustehen, für Deine Träume und das Abenteuer, zu leben.

Es interessiert mich nicht, wie Deine Sterne stehen.

Ich will wissen, ob Du zu Deinem wirklichen Leid vorgedrungen bist, ob Dich der Verrat des Lebens geöffnet hat oder ob Du Dich zusammengezogen und verschlossen hast vor Furcht oder weiterem Kummer.

Ich will wissen, ob Du Schmerz aushalten kannst, meinen oder Deinen eigenen, ohne zu versuchen, ihn zu verstecken, verblassen zu lassen oder zu manipulieren.

Ich will wissen, ob Du Freude empfinden kannst, meine oder Deine eigene, ob Du voller Wildheit tanzen kannst und Dich von den Finger- bis zu den Zehenspitzen in einen Rausch versenken kannst, ohne zu mahnen, vorsichtig zu sein, oder realistisch, oder an die Grenzen des Menschseins zu erinnern.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die Du mir erzählst, wahr ist.

Ich will wissen, ob Du einen anderen enttäuschen kannst, indem Du Dir selber treu bleibst. Ob Du die Anschuldigung, betrogen zu haben, ertragen kannst und ob Du nicht Deine eigene Seele betrügst.

Ich will wissen, ob Du treu sein kannst und damit vertrauenswürdig.

Ich will wissen, ob Du Schönheit sehen kannst, auch wenn sie nicht jeden Tag sichtbar ist.

Und ob Du Dein Leben aus Gottes Gegenwart speist.

Ich will wissen, ob Du mit Versagen leben kannst, Deinem und meinem, und trotzdem noch am Ufer des Sees stehen kannst und dem Silber des Vollmondes „Ja!“ zurufen kannst.

Es interessiert mich nicht, wo Du wohnst oder wieviel Geld Du hast.

Ich will wissen, ob Du nach einer Nacht voller Trauer und Verzweiflung aufstehen kannst, ausgelaugt und zermartert, und tun kannst, was für die Kinder getan werden muss.

Es interessiert mich nicht, wer Du bist, oder wie Du hierher gekommen bist.

Ich will wissen, was Dich in Deinem Inneren hält, wenn alles andere weg bricht.

Ich will wissen, ob Du mit Dir alleine sein kannst, und ob Du die Gesellschaft, die Du in diesen einsamen Momenten hast, wahrhaft magst.




© Copyright für diesen Text by Katrin Sophia
Mehr Informationen zu Katrin Sophia inklusive telefonischer Kontaktmöglichkeit finden Sie im Beraterportal der Sternboten


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