Wer sind wir wirklich? - Lass den Buddha sterben!
Ein Weg.
Ich mag es nicht, wenn mir jemand erzählt, es gäbe nur diesen einzigen Weg zum Ziel. Ich spürte schon als Kind, wenn mir jemand etwas erzählen wollte, was ich in mir ganz anders fühlte. Ich spürte, wenn jemand so gar nicht das lebte, was er predigte. Ich sah das bei all Jenen mit dem angeblich einzigen, ausschließlichen Weg zur Wahrheit, wie überzeugend auch immer sie bemüht waren, ihn mir beizubringen. Ich wusste damals nicht, dass es meine noch nicht ausgebildete Hellsicht war, die das spüren konnte.
Ich glaube, es gibt auf unserem Planeten so viele Wege zur Wahrheit, wie es Menschen gibt. Sicher, die Wahrheiten dahinter ähneln sich in dem Grade, je tiefer wir uns und dem Anderen wirklich begegnen. Der Weg dahin aber ist individuell und jeder Mensch kann ihn auf seine Weise gehen.
Hahnemann, Begründer der Homöopathie, drückte es so aus: "Aude sapere" - das heißt soviel wie: "Wage es, weise zu sein" oder etwas moderner "Traue Dich, zu hinterfragen, lass all Deine Vorstellungen los und schau, was wirklich ist". Anders - so sagen es die Zen-Buddhisten: "Lass den Buddha sterben." Ich versuche mich hier in einer Interpretation, was damit gemeint ist.

Nehmen wir all unsere geliebten und ungeliebten (Vor-)Urteile über Gott und die Welt. Da gibt es Meinungen und Vorstellungen, bei denen es uns nicht allzu schwer fällt, sie los zu lassen. Z.B. wird es den meisten von uns leicht fallen, unsere Meinung über ostasiatischen Städtebau zu ändern - einfach deshalb, weil es uns nicht betrifft und wir gar keine Meinung dazu haben. Andere Dinge aber - je mehr sie uns wirklich betreffen - werden wir mit Zähnen und Krallen verteidigen, als ob es um unser Leben ginge. Denn manchmal sind diese Vorstellungen eine Art Krücke, ohne die wir meinen, nicht stehen zu können.
George Bush wäre in seinem Weltbild zutiefst erschüttert, wenn man ihm glaubhaft beweisen würde, dass er fundamental-islamitische Vorfahren hätte. Nicht ganz so drastisch, aber dennoch erschütternd wäre es für ihn, die Realität anzuerkennen, dass er und seine Töchter Alkoholiker bzw. drogensüchtig sind. Wenn er wirklich hinschauen würde, wäre seine aufrechte Entscheidung und Konsequenz, zurückzutreten, zu den Anonymen Alkoholikern zu gehen und erst mal ganz kleine Brötchen zu backen.

Es sind genau die Dinge, die wir "unter den Teppich" kehren, weil sie uns Schmerzen bereiten, wenn wir sie anschauen würden. Und es sind die Dinge, über die wir uns am Meisten aufregen. Die Dinge, die wir partout wollen oder nicht wollen und mit aller Inbrunst ablehnen oder aber daran hängen. Manchmal sind es auch die Dinge, die wir uns niemals zutrauen - aus meinen Beratungen kenne ich sehr oft den umgekehrten Bush-Zustand, nämlich Menschen, die sich zuwenig zutrauen und die sich manchmal kleiner machen, als sie sind.
Vergessen wir für einen Moment alle Vorstellungen von uns selbst und von der Welt, vom Göttlichen, vom Weltlichen. Vergessen wir all unsere fixen Ideen, alles, was wir gelernt haben, alles, was man (wer ist "man"?) so sagt oder so tut. Wir tun jetzt so, als ob wir neu geboren werden und noch nichts wissen. Das ist, wie Kleidung auszuziehen, die Schale einer Zwiebel abzuschälen - manchmal geht das, wenn es echt passiert, sogar nur unter Tränen, deshalb finde ich das Bild der Zwiebel gar nicht so schlecht. Dann, wenn wir alles abgeschält haben, ganz nackt sind, ohne etwas, was uns schützt, aber auch ohne etwas, was uns verdeckt - was oder wer sind wir dann? Was bleibt übrig?

Das Gefühl eines Neugeborenen erscheint.
Ein Weg - um das Gefühl des Neugeborenseins zu spüren:
Es beginnt am Abend vor dem Zubettgehen. Ziehe Deine Sachen aus - ganz bewusst - als ob Du mit jedem Kleidungsstück einen Teil Deiner Selbst ablegst. Die Hose ist ein Symbol für Deine Persönlichkeit im Job, die Bluse erinnert Dich an Dein Hobby usw. Vergiss Deine Charaktereigenschaften nicht, das, was Du glaubst, zu sein. Bist Du stark oder schwach, über was ärgerst Du Dich, was freut Dich, wo fühlst Du Dich gut, wo nicht? Was sind Deine Sorgen? - weg damit! Für einen Augenblick und eine Nacht. Wie bist Du mit Deinem Aussehen zufrieden? - vergiss nicht, das abzulegen - Dann kommen die spirituellen Dinge. Vergiss die Engel, jegliche Form, wie Du Dir Gott oder das Göttliche vorstellst. Egal! Weg! Was bist Du, wenn Metatron Dich nicht mehr begleitet? Wenn Lilith, Buddha, Mohammed oder Jesus und sämtliche Heilige nicht mehr bei Dir sind?
Wenn es Dir ehrlich gelingt, alles abgelegt zu haben, für diesen Moment - dann geh baden oder duschen und wasche die letzten Teile dieser Ideen, Vorstellungen, Wünsche, Glauben ab und geh ins Bett. Du kannst einen Salbeitee trinken - der reinigt Dich. Aber lies nichts mehr und mach bald das Licht aus.

Am nächsten Morgen wache auf und schau mit geschlossenen Augen in Dich! Ohne Vorstellung, ohne Idee. Was hast Du geträumt? Interpretiere es nicht. Was bleibt von diesem Traum im Körper zurück? Wie fühlt sich Dein Körper an? An welchen Stellen? Dann erst öffne die Augen. Lass Dir dabei Zeit, eine viertel Stunde mindestens, ohne an den normalen, bevorstehenden Tag zu denken. Wie nimmst Du Dein Schlafzimmer wahr? Wie sind die Farben, die Formen? Wie ist ein Schrank, wenn Du nicht weißt, was ein Schrank ist? Wie eine Wand? Was ist eine Türe? Schreib es nicht auf - ein Baby kann nicht schreiben. Und halte nichts fest. Nimm einfach wahr, was ist. Und spüre. Was macht eine Tür mit Deinen Sinnen, in Deinem Körper? Wenn Du das gespürt hast, kannst Du langsam älter werden.
Du kannst jetzt laufen. Vergiss aber auch diese Idee und spüre nur. Komm immer wieder zurück dahin, auch wenn Dein Geist versucht, Dir Gedanken aufzudrängen. Das ist normal - komm einfach zurück. Schau, ob Du nervös, ungeduldig, hundemüde, ganz frisch oder sonst was bist. Wichtig: werte es nicht, Du musst keinen Wettkampf gewinnen und kannst auch nicht versagen. Es ist, was es ist und das bist Du. Dann stehe langsam auf. Spüre die Fußsohlen und den Boden, wie er Dich trägt. Geh ins Bad.
Wenn Du Dich jetzt wäschst, duschst, Zähne putzt, bleibe immer dabei. Wie fühlt sich das an? Die Zahnbürste auf den Zähnen. Wie geht es Dir dabei? Wann hast Du das zuletzt wirklich gespürt? Hast Du es schon jemals gespürt? Vielleicht als Kind, als Du nie Zähne putzen wolltest? Spüre jeden Handgriff Deiner Reinigung im Bad. Dann gehe zum Kleiderschrank und suche Dir das raus, was sich heute gut anfühlt. Ziehe es langsam an und spüre, wie es auf der Haut ist - ist es kuschelig, kratzt es, zu eng, zu unbequem, magst Du überhaupt, was Du da grade anziehst, oder musst Du das anziehen? Vergiss nicht das Bewusstsein, dass unter Deiner Kleidung ein nackter Mensch ist, der Du bist. Deine Kleider werden Dich immer verdecken, verändern - und das gehört zum Leben. Jetzt bereite Dein Frühstück und genieße jeden Bissen. Dann beginne Deinen Tag.
Vergiss nicht sofort wieder alles. Erinnere Dich immer wieder daran, wie sich was anfühlt. Wenn dich etwas aufregt, wenn Du Freude empfindest, wenn Du erschöpft bist - komme immer wieder zurück in Dich. Je öfter Du das machst, desto deutlicher wird Dein Gespür für das, was Du wirklich in Deinem Inneren bist.
Es ist sehr einfach und wir können es nicht "denken" - Steter Tropfen höhlt den Stein..

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