In Liebe
Von der Sehnsucht, Liebe zu geben und zu bekommen

Wir müssen keine Statistiker, Hellseher, Psychologen, Forscher, Soziologen sein, um zu erkennen, dass es die romantische Vorstellung der ewigen Liebe nicht mehr so richtig gibt. Wir alle kennen die Ent-Täuschung, wenn eine Liebe zerbricht. Selten, sehr selten gibt es eine Zweierbeziehung, die wirklich lange von Liebe getragen ist. In meinen Beratungen berührt mich das sehr, wenn es mal so ist. Es ist selten so. Und selbst da, wo es noch scheinbar „funktioniert“, spüren wir es oftmals kriseln, wenn wir ein wenig genauer hinsehen. Oftmals hat man sich arrangiert - der Kinder wegen oder weil wir nicht alleine sein wollen. Oder wir haben unsere Bedürfnisse nach aussen verlagert, uns ist eine dritte Person begegnet, der es vielleicht genauso geht. Ganz zu schweigen von den Suchenden, die sich verlieben, bei denen aber die Beziehungen über kurz oder lang wieder in die Brüche gehen. Meist arbeitet uns das auf, wir werden desillusioniert und die (Ex-)Beziehung nährt uns nicht, sondern entzieht uns Energie. Oder wir gehören zu denen, die schon lange, so lange Single sind und darunter leiden. Es gibt natürlich auch Singles, die solche bleiben wollen - dagegen ist ja nichts einzuwenden, aber darüber schreibe ich jetzt nicht.
Man sagt von der Liebe, dass sie das einzige ist, was uns umso mehr nährt, je mehr wir davon geben.

Wie ist das denn dann mit der Liebe? Und warum haben wir es heute so schwer?
Vielleicht sind wir viel zu schnell mit dem grossen Wort "Liebe". Vielleicht wünschen wir es uns so sehr, dass wir schon eine Spiegelung, eine Fata Morgana für das halten, was "die grosse Liebe" sein könnte.
Unsere Vorstellung von Liebe (nicht die Liebe selbst) ist meines Erachtens ziemlich überstrapaziert. Das wiederum strapaziert uns und auch unseren oder unsere Angebetete. Die Liebe ist in unserer Vorstellung so etwas wie ein Allheilmittel, eine Wundermedizin und damit ein "Konsummittel" geworden. Ein Konsummittel zum Zweck. Der Zweck heisst: nie alleine sein, glücklich sein, guten Sex haben, versorgt und geborgen sein, Kinder bekommen, Familie haben usw. ----- Ich glaube nicht, dass sich die Liebe für irgend einen Zweck einspannen lässt. Denn: die Liebe kommt und geht, wie es ihr passt und nicht, wie es uns passt. So ist es leider oder gottseidank - denn sie ist unbestechlich und damit nicht käuflich und für jeden zugänglich.
Wenn wir wollen, dass die Liebe kommt, sollten wir ihr einen guten Boden bereiten, damit sie zuerst in uns und dann nach aussen wachsen kann. Und selbst dann "haben" wir keine Liebe, sondern sie ist in uns oder eben nicht. Es ist nicht so, dass die Liebe uns dient - sondern umgekehrt - wir müssen ihr dienen, wenn wir möchten, dass sie kommt und vor allem, dass sie bleibt. Wir sollten die Liebe nicht zum Zweck verkommen lassen. Wem die Liebe geschenkt wird, der hat sein Ziel bei Weitem nicht erreicht, sondern er muss das zarte Pflänzchen "Verliebtheit" sorgfältig pflegen und hegen, damit es zur grossen Liebe werden kann.
Was heisst nun eigentlich: der Liebe dienen?

Um gleich Missverständnisse aus dem Weg zu räumen: es heisst NICHT, dem Partner zu dienen. Auch, wenn ich nichts Schlimmes dabei finden kann, meinem Mann Mittagessen zu kochen oder seine Socken zu waschen und es im Gegenteil gerne mache. Was ich meine, ist, dass der Liebe dienen nicht heisst, sich selbst aufzugeben, seine Identität zu verlieren, alle Ziele, den Freundeskreis usw. aufzugeben. Das klingt so einfach, aber: bitte fragen wir uns mal ehrlich..... haben wir das nicht alle schon mal getan? Und steht das nicht in Gegensatz zu dem, was ich vorher schrieb? Dass nämlich die Liebe in uns wachsen muss, bevor sie nach aussen wachsen kann? Das bedeutet, dass wir uns selbst genug lieben müssen, um uns eben nicht zu vernachlässigen.
Der Liebe dienen heisst auch nicht, zu verlangen, dass der oder die Geliebte sich so oder so zu verhalten hat, damit wir all unsere Bedürfnisse befriedigt bekommen. So verlangen wir vielleicht, dass er oder sie sich dann und dann mitzuteilen hat, oder dies und das zu tun und zu lassen hätte.... würde er oder sie uns lieben. Ist das Liebe? Dient das der Liebe? Wohl eher nicht. Und trotzdem sind wir alle nicht frei davon, uns ab und an mit verschränkten Armen hin zu stellen und vom anderen so ganz liebesfrei dies und das zu verlangen. Oder?
Fangen wir doch bei uns selbst an: stecken wir unsere Masstäbe ein wenig niedriger. Fordern wir von uns nicht, den ganzen Tag "in Liebe" zu sein. Wir sind Menschen und können natürlich nicht 24 Stunden am Tag voller Liebe sein. Wenn wir es schaffen, jeden Tag einmal irgendwann "in Liebe" zu sein, dienen wir der Liebe eben einmal am Tag und das ist ja schon viel für die Meisten von uns. Aber das sollten wir schon: einmal "in Liebe" zu uns selbst und einmal zum Anderen. Zu irgend einem anderen Menschen - es muss nicht der oder die Geliebte sein. Auch Singles können mitmachen. Üben wir, gewöhnen wir uns daran: einmal am Tag - die Liebe wird es auf jeden Fall bemerken und vielleicht bei uns Einzug halten .... und nicht traurig sein, wenn es nicht immer klappt. Wie gesagt, wer ist schon 24 Std. "in Liebe"?
Das Thema Liebe ist sehr umfassend und ich habe hier in diesem Artikel nur einen kleinen Ausschnitt davon beschreiben können. Ich werde versuchen, mit der Zeit hier im Sternboten mehrere Aspekte der Liebe zu beleuchten. Ist es doch das häufigste Thema, welches uns alle beschäftigt.
Wenn Ihnen Ihre Liebe - die eigene oder die andere - den Schlaf raubt und Sie nicht mehr weiter wissen, helfe ich Ihnen gerne, sie wieder in sich zu entdecken.
Ihre Katrin Sophia
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