Seelenverwandschaft
Der Blick in den Spiegel seiner selbst
Seelenverwandschaft: sehr oft höre ich dieses Wort. Ich höre es über andere oder jemand sagt es zu mir. Oft hatten und haben wir das Gefühl, den, der da gerade bei uns ist, schon zu kennen. Wir erinnern uns. Wir sehen etwas in ihm, was uns bekannt, vertraut ist.
Nach meinem Glauben ist es so, dass wir alle ohne Ausnahme miteinander verwandt sind. Da sind wir sogar mit den Tieren verwandt, mit der Natur und allem Leben. Ähnlich, wie die Buddhisten dies glauben. Danach heißt, seelenverwandt mit jemand oder etwas zu sein, sich selbst wieder zu erkennen, im andern oder in der Natur oder in allem Leben. Eigentlich heißt es, in den Spiegel seiner selbst zu schauen. Denn die Buddhisten gehen davon aus, dass wir in uns alles tragen die Menschen, die Tiere, die Natur.
Wären wir ein Musikinstrument ein Cello - würde das heißen, dass in Gegenwart des anderen unsere Saiten anfingen, zu schwingen. Oder in Gegenwart eines Sonnenuntergangs am Meer. Ein Ton entstünde, eine Musik. Diese Musik hören wir dann oft sehr gerne. Seelenverwandt sein heißt dann eigentlich, sich selbst zu erkennen und der Musik zuzuhören, die durch den anderen entsteht. So können wir nach meinem Glauben auch seelenverwandt sein mit einem Sonnenuntergang.
Das kann manchmal sehr schön sein, wenn wir das Beste und Schönste sehen, was wir uns so nicht hätten ausmalen können. Oder es ist etwas, was wir in uns auch kennen und wir mögen diesen Zug an uns. Vielleicht ist es auch eine Saite-Seite, die andere so noch nie zum Schwingen gebracht haben. Dann reden wir gerne davon, seelenverwandt zu sein. Es „regt sich etwas“ in uns, er oder sie „regt etwas an“ sagen wir dann.
Was aber, wenn uns der andere „aufregt“ wenn wir uns „erregen“? Hat das dann nichts mit uns zu tun? Ist das keine Saite-Seite in uns?
Zumindest geben wir das dann ziemlich ungern zu. Und jeder von uns hat so seine Spezial-Aufreger und wenn’s die Politik ist oder der Niedergang der Wohlstandsgesellschaft oder sonst irgendwelche Lieblingsfeinde, privater oder öffentlicher Natur - egal. Wenn ein schriller, „falscher“ Ton entsteht, eine Musik, die uns gar nicht gefällt, uns vielleicht in den Ohren weh tut was ist dann? Ist das nicht in uns nur weil wir ja überhaupt gar nicht so sind?
Wir reden dann nicht von Seelenverwandtschaft. Wir sagen dann ich bin so! Und Du, ja Du - bist ganz, aber auch ganz anders.
Ja, aber... nach meinem Glauben kann das doch so nicht sein…. denn die Buddhisten sagen doch, dass wir in uns alles sind. Ergo auch das, was uns aufregt. Und wenn’s auch das Nachmittagsprogramm bei RTL ist, das gehört doch da auch dazu? Oder?
Bei anderen kann ich das immer ganz klar erkennen. Deutlich. Bei mir selbst aber ja da da ist es nicht immer ganz so klar, wenn mich etwas aufregt. Da würde ich dann am Liebsten eine Ausnahmeregelung für den Anders-Notfall schaffen - den nichtbuddhisitschen Erste-Hilfe-Kasten mit Augenbinden - je nach Bedarf.
Aber so sind wir nun mal, wir Seelenverwandten. Oder?
Einen aufregenden und anregenden Tag wünsch’ ich Euch!

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