Zwilling - Zwei Seelen in meiner Brust




von Katrin Sophia


Bei den Zwillingen erreichen wir die Welt der Gegensätze, die Polarität, unsere Welt. Ein eindrückliches Bild sind die mythologischen Geschwister Kastor und Pollux oder Kain und Abel - vollkommen verschieden, aber schicksalhaft und für immer verbunden. Wenn wir das ein wenig fühlen, können wir nachvollziehen, warum der Zwilling sich ganz gerne in die sprichwörtlichen Oberflächlichkeiten bzw. Alltäglichkeiten flüchtet. Er flüchtet, um die tieferen, schmerzlichen Nuancen des "Bruderkampfes", des Kampfes von Gut und Böse nicht zu spüren. Er ist ja der grosse Trickster und sucht sich seinen "Bruder", in Form von Partner, Eltern, Kinder.... oftmals in seiner engen äusseren Umgebung. Nur bleibt es ihm nicht erspart, das Wesen des Menschseins, seines eigenen Wesens zu entdecken und Frieden mit seinen Widersprüchlichkeiten und Gegensätzen zu schliessen.

Wir alle tragen in uns alles. Dies erinnert mich an unser Nachbarkind, welches uns, als wir hierher zügelten, von Anfang an sehr freundlich grüsste. Ihr Mutter erzählte mir, dass die 8-Jährige zu ihr sagte: "Weisst Du, ich grüsse die Beiden jetzt immer, denn sie sind ja neu hier und ich mag, dass sie sich wohl fühlen können bei uns." Die Kleine ist ein Adoptivkind und weiss wohl, wie es ist, sich "anders" zu fühlen. Die Weisheit und das Einfühlungsvermögen dieses kleinen Mädchens sind bemerkenswert.

Es geht beim Zwilling um Bewusst-Werden, Bewusst-Machen, um Einfühlungsvermögen und um die Aufdeckung seiner eigenen Tabus. Denn nur das Bewusstsein dessen, was wir sind und sein könnten, befähigt uns, verantwortungsvoll zu wählen und zu entscheiden, wer wir sein wollen. Wenn der Zwilling nicht nur Informationen sammelt, um zu sammeln, sondern seine ziemlich vielen Vorurteile hinterfragt und sich um wahre Erkenntnis bemüht, wird aus ihm ein eindrücklicher Psychopompos, ein weiser Seelenführer, wie der Herrscher dieses Zeichens. Merkur, auch Hermes (Trismegistos) genannt, ist der geflügelte Götterbote, der einzige, der ungestraft zwischen Himmel und Hölle verkehren darf, ja muss - und damit Gut und Böse, Licht und Schatten vereint. Wir sind alles und alles ist in uns - aber wir haben die Wahl, wie wir in der Welt wirken wollen. Dem Zwilling bleibt es nicht erspart, in die Tiefe zu gehen. Wenn er es tut, findet er das bunte, aufregende Leben, welches er so sehr sucht.




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