Stier - Schöngeist und wahre Werte




von Katrin Sophia


Das Zeichen, welches von der "kuhäugigen" (griech. Schönheitsideal) Venus-Aphrodite regiert ist, wird in seiner Tiefe und Ambivalenz oft unterschätzt. Sicher hat der stierbetonte Mensch immer viel mit Sinnlichkeit, Schönheit und Kreativität/Kunst zu tun, doch ist das Stier-Gefühl noch ein komplexeres.

Gerne verwende ich das Gleichnis aus dem Zen-Buddhismus: der Ochs und sein Hirte, bei dem es um die Beziehung zwischen Geist (Hirte) und Körper bzw. Materie (Ochse) geht und welches den spirituellen Weg in 10 "Ochsenbildern" beschreibt. Sie finden eine Darstellung in Wikipedia unter "Ochs und Hirte". Die Beziehung des Stieres zum eigenen Körper spielt für ihn eine grosse Rolle. Die Hingabe und Verhaftung an den Sinnen und an der Materie ist die Gabe und die Falle des Stieres. Er neigt dazu, in hohem Masse mit den Sinnen beschäftigt zu sein, so dass er Gefahr läuft, zu vergessen, dass es "etwas Höheres" gibt, was unsere Welt lenkt und führt. Wenn der Stier dies vergisst und in der Materie verhaftet bleibt, erzürnt er die Götter, so dass sie ihm manchmal das Erreichte entreissen. Dabei sind es nicht die Götter, die ihm zürnen, sondern der Stier selbst trennt sich von seinem Zugang zur geistig-spirituellen Welt.

Der Stier sollte nie versucht sein - bei allem, was er besitzt und schafft - in der Materie zu erstarren. Das bedeutet, nicht in Besitzgier, Sinnenhaftigkeit oder Sucht zu verweilen, sondern Abstand zu schaffen durch Kontemplation und Gebet, oder/und durch Dienst an seinen Mitmenschen. Franz von Assisi nannte seinen Körper "Bruder Esel". Auch hier haben wir die Verbindung mit der Materie, die wohlgleich unser "Bruder" ist, aber wie im Zen-Buddhismus gezähmt bzw. gefangen werden muss, für ein gottgefälliges Leben. Wenn es dem Stier-Betonten gelingt, nicht die toten Dinge des Besitzes anzubeten, den falschen Götzen zu dienen, sondern tief in sich spürt, dass ihm nichts wirklich gehört und das ewige Leben nicht hier bei uns statt findet, kann er die Welt durch seinen ausgeprägten Sinn für Ästhetik, Schönheit und für bleibende Werte auf zauberhafte Weise verändern. Dann zeigt er uns in seinen Kunstwerken, wie durch alle Materie immer das Göttliche hindurch scheint.




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