Skorpion
- und ewig zieht uns das Weibliche hinan
von Katrin Sophia
Beim Zeichen Skorpion fällt mir als Erstes der Faust'sche Pakt mit dem Teufel ein. Macht und Lust wollte Faust haben, und verkaufte dafür seine Seele an Mephisto. Er verlor alles, auch sein Gretchen, um dann doch noch erlöst zu werden und zu den himmlischen Heerscharen aufzusteigen. Im Italienischen kennt man einen Ausspruch: "Non conosce i santi!" - Er (aner-)kennt keine Heiligen! ... Skorpion-Betonte neigen dazu, zynisch zu intellektualisieren und alles (Mit-)Gefühl aussen vor zu lassen. Hier geht es um einen tiefen, komplexen Kampf gegen das übermächtig Weibliche, dessen wütende Präsenz er ständig fühlt, obwohl er es tief in den schalldichten Keller seines Bewusstseins gesperrt hat.
Kein Wunder, dass das Weibliche in ihm oft einer Medusa oder einem Drachen gleicht. Denn der Skorpion-Betonte versucht, sich über sie zu stellen und sie zu verneinen. Aber es gibt eine Weisheit in der Psychologie: Was wir in den Keller sperren, gräbt sich seinen Tunnel, um im Vorgarten um so deutlicher zu erscheinen - will heissen: im aussen. Oftmals scheinen es die "Anderen" zu sein, die dem Vergrabenen gleichen. Es geht hier um Alchemie, um Transformation dieses bedrohlich-Weiblichen. Es geht darum, den Schatz zu finden und zu befreien, der sich tief darin verbirgt.
Die Lösung bietet uns wieder einmal die griechische Mythologie in ihren eindrücklichen und tiefsinnigen Mythen. Perseus und sein Kampf gegen die Medusa. Perseus konnte dem schlangenköpfigen Monster nicht ins Antlitz schauen - so schrecklich war sie und hätte ihn sofort mit ihrem giftigen Blick getötet. Meinem Empfinden nach hat Medusa neben dem Angesicht des blanken Hasses auch eine stark sexuelle Seite an sich (weiblich-ekstatische "Hexenküche"). Perseus benutzte einen Trick: er schaute in sein Schild, also in den Spiegel. Der Skorpion-Betonte muss also beginnen, über seine eigenen wütenden Gefühle zu reflektieren, bis es ihm gelingt, den verneinten und vergrabenen Anteil in sich zu entdecken.
So kann er Medusa töten und damit Pegasus befreien, das geflügelte Pferd, ungeborenes Kind der Medusa. Pegasus ist ein Symbol für instinkthafte Klarheit, Weisheit und spirituelle Verbindung nach oben - eindeutig, was der Skorpion entdeckt, wenn er den Mut und die Reflexionsfähigkeit besitzt und sich mit seinen eigenen bedrohlichen Tiefen auseinandersetzt. Ähnlich wie der Zwilling, wird der Skorpion dann reich beschenkt. Nicht ohne Grund finden sich unter den Skorpion-Betonten so einige furchtlose Seelenführer, Psychiater, Forscher der Grenzwissenschaften, kurz intensiv-magnetische, be"zaubernde" Menschen, die sich in den Tiefen der Psyche, der Seele, an den Grenzen unserer Realität auskennen wie in ihrer Westentasche und die die Begegnung mit den Medusen dieser Welt nicht scheuen. Entwickelte Skorpion-Betonte können "durch"schauen und "trans"formieren. Wer sich selbst erkennt, kennt jeden Menschen. So verwandelt sich der Skorpion in seine höhere Oktave: in den Adler
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