Schütze

- Glücklicher Weltenbummler und verletzter Heiler




von Katrin Sophia


Das dritte, sehr männliche Feuerzeichen, schliesslich ist Zeus-Jupiter sein Herrscher, wird beschrieben als grosszügig, jovial und oft kann man sich bei den Schützen so richtig wohlfühlen und entspannen.

Zeus-Jupiter, der lichte Göttervater, war bekannt dafür, dass er seiner Schwester-Gattin Hera stets untreu war. Die verbotenen "Früchte" in Form von sterblichen Frauen, Nymphen, Göttinnen waren zu verlockend. Dies steht für das enorme geistige Fruchtbarkeits-Potential des Schütze-Betonten. Dennoch: zuhause wartet sein Schicksal in Form seiner eifersüchtigen Ehefrau Hera. Der Weltenbummler, der sich allzu frei gibt, ist gebunden an seine bessere Hälfte, die in gewisser Weise und im Zweifelsfalle "die Hosen an hat". Ich glaube, jeder und jede Schütze-Betonte hat solch einen "Ehevertrag" zu erfüllen - etwas, was ihn bindet und seinen oder ihren frei schweifenden Geist und Schöpfungsdrang im Zaume hält.

Das ist gleichzeitig der verletzte Pferdefuss des Schützen, der meinem Empfinden nach nicht nur durch Jupiter, sondern auch durch Chiron, den Kentauren beherrscht wird. Diese interessante Gestalt ist halb Mensch, halb Pferd und sagt viel aus über die Gegensätzlichkeit von Intellekt-Instinkt, göttlich-menschlich, ewig und sterblich. Chiron war ein weiser Heiler, Gelehrter und Prophet, der seine Weisheit dadurch erhielt, dass er sich auf die Suche eines Heilmittels für eine Verletzung in seiner unteren, tierischen Körperhälfte macht, dieses aber nie fand. Keine Linderung seiner eigenen Schmerzen gelang ihm, aber seine Weisheit machte ihn zu einem berühmten Lehrer und Heiler für andere. Sein Leid jedoch war so erschütternd und er konnte als Unsterblicher nicht davon erlöst werden. Zum Schluss gibt er sein Leben für Prometheus, dem wir im Wassermann wieder begegnen.

Ich glaube, dass der sprichwörtlich glückliche Cosmopolit und vertrauensseelige Philosoph, als welche die Schütze-Betonten beschrieben werden, mit den Jahren die dunklere, tiefere Seite des auf irgend eine Weise verletzten Chiron in sich kennen lernen muss. Dadurch gelangt er zu echter, umfassender Weisheit um die Geheimnisse des irdischen, körperlichen Lebens, welches bei weitem nicht so profan ist, wie es dem Schützen manchmal erscheint.





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