Löwe - das Kunstwerk "Ich"
von Katrin Sophia
Das Klischee des extrovertierten, etwas aufgeblasenen Löwen, der die Welt als Bühne betrachtet, auf der er sich präsentieren kann, habe ich nie so wirklich bestätigt gefunden. Auch finden sich nicht so viele Künstler unter den Löwen, wie behauptet wird. Vielmehr nehme ich den Löwen als recht tiefgründiges, kreatives Wesen wahr, welches sein Leben lang bemüht ist, sich selbst zu entdecken und zu finden und dies auf oft sehr introvertierte Weise. Der Löwe ist sein Leben lang damit beschäftigt, ein grosses Kunstwerk zu schaffen: sich selbst. Wenn ich einen Löwen in seiner Schöpfungsphase beobachte, kommt mir immer ein Bild: das goldene Kind, welches in sich selbst versunken und selbstgenügsam stundenlang spielt, ohne dass irgendetwas von aussen es stören könnte. Was stört die Sonne die Wolke, die vorüberzieht...
Der Löwe ist dominant, aber nicht unbedingt darauf erpicht, aufdringlich in der Öffentlichkeit zu stehen. Er ist schliesslich eine Katze und kein Hund! (Viele Löwen sind Katzenliebhaber und mögen keine Hunde, weil sie empfinden, dass sich diese "so anbiedern"....). Der Löwe neigt zu Stolz, Intoleranz und Despotentum - eben wie ein Sonnenkönig so ist: wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn und wer das nicht einsieht, ist im harmlosesten Falle doof. Meist lehrt ihn das Leben und sein Herz dann doch eine etwas differenziertere Sichtweise und er lässt mit zunehmender Reife die Guillotine im Verlies. Ein sehr schönes Bild findet sich in der Rider-White-Karte "die Kraft". Und darum geht es bei allen Löwe-Betonten: die weise Frau (! - und das dem männlichsten aller Zeichen!) schliesst dem Tier mit Sanftmut das gefährliche Maul. Will heissen: der Löwe muss lernen - oft sein Leben lang - seine feurigen Triebe und seine oft verletzende Emotionalität (die Krallen, die er "gar nicht so meint") durch Weisheit, Disziplin (der Dompteur) und Güte zu transformieren. Ich habe einmal gesehen, wie ein Löwe im Zoo seinem Wärter "zärtlich" über die Hand schleckte, worauf hin dem Wärter die Haut fehlte! .... er hat's ja gar nicht so gemeint...
Im Mythos ist es Herkules, der bei seiner ersten Mutprobe den Löwen mit blossen Händen besiegte und das Fell immer um die Schultern trug. Ein Symbol für den reifen Löwen, der Herr seiner Instinkte ist. Der Löwe muss durch Bewusstseinsarbeit die Sensibilität lernen, seine ihm angeborene Kraft zum Besten seiner Liebsten einzusetzen und nicht zu verlangen, dass die anderen sich ein "dickes Fell" zulegen sollen. Sonst verbrennte er seine Liebsten, wie es die Sonne tut. Wenn er dies aber lernt, wird der Löwe für sich und andere wie die Sonne in ihrer segensreichen Form: strahlend, wärmend, grosszügig und der Leben spendende Mittelpunkt und Held seines persönlichen Universum. Er muss erkennen, dass er etwas ganz besonderes ist, darf aber nicht vergessen, dass dies auf jeden Menschen zutrifft.
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