Krebs - Abnabelung
von Katrin Sophia
Das Sternbild des Krebses wurde bei den Ägyptern als Skarabäus gesehen. Der Skarabäus war dafür verantwortlich, die Sonne über Nacht nach Osten vor sich her zu rollen (wie der Käfer die Mistkugel), damit sie dort wieder aufgehen konnte. Einen Rest dieser sinnhaften Vorstellung finden wir in der Mond-Karte des Rider-White.
Wir können fast spüren, wie lästig es der männlichen Sohn-Sonne ist, von der Mond-Mutter be-muttert zu werden. Wir können uns gut vorstellen, mit allen Folgen, was im heranwachsenden Jüngling vor sich geht, wenn sich sein ganzes Leben nach Mama richten soll, sie den Ton angibt und ihn wie eine Mistkugel vor sich her schiebt und gängelt. Wenn es ihm nicht gelingt, aus diesem Kreislauf auszusteigen, wird er wohl oder übel dann schliesslich wieder seine Mutter heiraten oder sich aber Mädchen aussuchen, die ihm niemals gefährlich werden können. Abnabeln kann er sich, wenn er erkennt, dass das verschlingend-Weibliche nicht in seiner biologischen Mutter ist, oder nicht ausschliesslich, sondern unsere Welt, die Natur, alles Lebendige dem ewig-weiblichen Kreislauf von Leben und Tod, von Tag und Nacht, Ebbe und Flut, den Jahreszeiten unterliegt. Wenn er seine Mutter respektiert, aber nicht idealisiert oder verteufelt. Kurz: wenn er Frieden schliesst, sich bedankt und ab nun sein eigenes Leben lebt. Ist so leicht gesagt, ich weiss schon, aber es führt kein Weg vorbei. Er muss akzeptieren, dass er sich unter seinem dicken Panzer gegen Veränderung und naturhaftes Ab-Sterben nicht wehren kann, sondern lernen, wie ein Flusskrebs in Fluss zu kommen und die Gezeiten zu nutzen. Er muss andererseits sich und seine weibliche Seite, die launische, lunare Seite erkennen, seine wechselhafte "Fähnchen-im-Wind-Seite". Er soll auf männliche Weise seinen Mann stehen und bei seiner selbst gefundenen Wahrheit bleiben. Dann wird er für seine Frau und Familie das, was er sich wünscht: ein treu sorgender, verantwortungsvoller Mann und Vater mit einem grossen Herzen und strahlender Männlichkeit. Diese Krebse haben nichts, aber auch gar nichts mehr mit den Ja-Sagenden Muttersöhnchen oder eben mit den Männern, die keine Frau auf Augenhöhe neben sich dulden und ewig 20-Jährigen nachlaufen (zwei Seiten einer Medaille) zu tun, die manches mal aus einer Kindheit hervorgehen, wenn die Mutter übermässig dominant war.
Die Krebs-Frau sollte sich dies umgekehrt zu Herzen nehmen und ihre "mütterlichen Ambitionen" dementsprechend kritisch überprüfen, besonders gegenüber ihren Männern und Söhnen. Sie könnte einer "Adoptions-, Sorge- oder Kritiksucht" verfallen sein. Wenn es ihr gelingt, ihre Kinder, in Form von echten Kindern oder ihr nahe Stehenden los zu lassen, wenn diese beginnen, wie eine Sonne aufzugehen, um ganz eigenständig ihre Lebensbahn anzutreten, gibt es keine Frau, die nährender und fürsorgender sein kann. Keine Mutter kann ihren Kindern einen besseren Start bereiten als die entwickelte Krebs-Frau.
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