Jungfrau - Ordnung ins Chaos
von Katrin Sophia
Die anständige, ordentliche, brave, adrette, keusche und fleissige Jungfrau, wie sie üblicherweise beschrieben wird, ist fast zu gut, um wahr zu sein. Und beschreibt nur zur Hälfte, wie es sich anfühlt, eine Jungfrau-Betonung zu leben. Wo bleibt denn da der Spass? Eher kommt die alte Bedeutung von Jungfrau an das Gefühl heran, eine solche zu sein: "die freie Frau" oder auch die "ewig Jungfräuliche". Artemis war solch eine Göttin: frei und wild. Hier geht es um die Ambivalenz von Heiliger und Hure, um die Verbindung des Geistigen und Fleischlichen. Nur haben damit besonders die Jungfrau-Männer so ihre liebe Not und trennen oft die Eine in zwei: die heilige (potenzielle Ehe-)Frau und die nicht so heilige, aber dafür ziemlich aufregende Geliebte. Nicht, dass jeder Jungfrau-Mann fremd gehen würde.... aber in der einen oder anderen Form kennt jede(-r) Jungfrau-Betonte diese Ambivalenz. Die alten Göttinnen waren alle ambivalent - zwei-deutig - und so konnte die Menschheit besser mit Gegensätzlichkeiten umgehen. In der Verbindung beider Anteile liegt das Geheimnis für das, was wir eine selbstständige, gestandene und selbstbewusste Frau nennen, die erdbetont ihr Leben im Griff hat und gut für sich und ihre Liebsten sorgt.
Die Jungfrau besitzt die Gabe der Unterscheidungsfähigkeit. Sie wird, bevor sie nicht alle Facetten eines Problems minutiös genau und bis in die Tiefen geprüft hat, kein entgültiges Ja oder Nein abgeben, denn sie sieht sehr genau die beiden Seiten der Medaille. Eher als perfektionistisch, wie allgemein behauptet wird, ist die Jungfrau mit der Weisheit der Erde verbunden. D.h., sie ist bestrebt, die (gottgewollte) Ordnung in sich und allem Sein zu finden. So gibt es Jungfrauen, die hinter jeder Wollmaus herjagen und die sprichwörtliche "Putzfee" verkörpern. Andere aber sind intensiv damit beschäftigt, Ordnung in ihr inneres Chaos zu bekommen, auch wenn sich bereits in der Küche das Geschirr stapelt und die Fenster das Tageslicht eher reflektieren als durchlassen - also das scheinbare Gegenteil. Überall da, wo Chaos herrscht, werden sie magisch angezogen und sind bemüht, ihre Ordnung zu finden. Jedoch: wie C.G.Jung es sehr treffend ausdrückt (ISBN 3-907029-26-7): "Das Individuum mag nach Vollkommenheit streben... muss aber um seiner Vollständigkeit willen unter dem Gegenteil seiner Absichten leiden."
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