Fische

- das Alpha und das Omega




von Katrin Sophia


Das bemerkenswerte am Fisch ist, dass er am Ende (oder am Anfang?) des Tierkreises steht. Er hat alle Zeichen durchlaufen, er kennt alle Zeichen und kann auch alle Zeichen sein. Daher kommt die Affinität der Fische zu Schauspiel und Rollenspiel. Er ist Alles und er ist nichts - das Alpha und das Omega. Er ist wandelbar und auch irgendwie unwirklich wie die Welt unter Wasser. Ob spirituell interessiert oder nicht - manchmal finden sich unter den Fische-Betonten die härtesten Realisten oder noch öfter, spirituell Interessierte, jahrelang Suchende und nicht-findende Meister im Verdrängen. Oft findet man unter den Fische-Betonten narzisstisch gekränkte Persönlichkeiten, die sich aus Mangel an einem "Ich-Bewusstsein" um sich selbst drehen, aber niemals bei ihrem innersten Wesen ankommen. Kein Wunder: dieses innerste Wesen ist eben nicht von dieser Welt.

Der Fisch muss im Laufe seines Lebens entdecken, dass unsere reale Welt hier an Land nicht die wahre Welt ist und nicht seine Heimat. Zeit und Raum existieren schliesslich nicht wirklich. Als mit einer Fische-Sonne Geborene habe ich einmal geträumt, dass ich einen Fischschwanz hätte, anstatt Beinen, wie eine Sirene. Ich sass auf einem Felsen am Strand und fühlte mich ziemlich hilflos und fehl am Platze. Ich vergesse nicht, wie unendlich traurig ich daraufhin im Traum wurde. Der Fisch kennt das, wie ich es nenne, "Rilke-Gefühl", eine sanfte Melancholie so gut wie kein anderes Zeichen. Ein Schlüsselwort für den Fisch ist die Liebe, denn nur die ist für ihn real, besonders wenn sie bedingungslos und überpersönlich ist. Und Hingabe, denn ohne diese findet der Fisch nicht in die andere Welt. Manchmal opfert er sich wie Jesus Christus für seinen Nächsten, manchmal verliert er sich in seiner Suche und landet in der Sucht, oder aber er ertrinkt im selbst-geschaffenen Chaos. Sucht ist eine Suche, ein "Ziehen" hin zu einer besseren Welt. Nun sind bei Weitem nicht alle Fische Alkohol-, sonst-was-abhängig oder hoffnungslos chaotisch. Dennoch ist das Thema Sucht bzw. Suche und/oder Chaos in der einen oder anderen Form für jeden Fische-Betonten präsent.

Der Fisch sieht doppelt: wenn andere nur die eine, handfeste Realität sehen, sieht er im erleuchteten oder betrunkenen Zustand (die beiden Seiten der Medaille) gleichzeitig die Realität, die dahinter steht. Kein Wunder, dass er sich auf die Suche nach Erleuchtung macht (oft auch gegen seinen Willen, denn die "harten" Fische gibt es auch), in der Sucht sucht oder in der Verblendung völlig die (Ver-)Bindung mit dieser Welt verliert und seinem Chaos frönt.

Einstein war ein Fisch, er wurde von Sogyal Rinpoche als Wiedergeburt eines erleuchteten Meisters beschrieben (ISBN 3-502-62580-8). Er wusste von dieser anderen Welt, suchte nach dem Ursprung unseres Seins und wurde im Laufe seines Lebens tief gläubig (wissend?). Wenn es dem Fisch gelingt, mutig den Opferstatus zu überwinden und tätig die Welt mit seiner Hingabe, seinem Mitgefühl und seiner Kenntnis der anderen Welt zu bereichern, ohne dem Helfersyndrom anheim zu fallen, im Chaos zu versinken oder süchtig zu werden, schenkt er der Welt die so dringend benötigten Schätze wie Nächstenliebe, Mitgefühl, Transzendenz und Erleuchtung. Wenn Ihnen nun schwindlig geworden ist - keine Sorge: es ist das Fische-Gefühl!





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